Bielefeld – Brüssel

Fahrrad ·
🇧🇪🇩🇪🇳🇱
7 Tage
Dauer
554.6 km
Gesamtkilometer
79.2 km
Tagesstrecke
1937 m
Bergauf
2011 m
Bergab
38:00 h
Zeit unterwegs
5:26 h
Zeit pro Tag
14.6 km/h
Ø-Geschwindigkeit
49.82 km/h
Höchstgeschwindigkeit
17.35 kg
Gepäck

Die Tour ging los, wo zwei Jahre zuvor eine andere endete: in Bielefeld. Als ich gegen 19 Uhr am Hauptbahnhof ankam, sank die Sonne schon langsam Richtung Horizont. Die immer länger werdenden Schatten wiesen mir den Weg für den morgigen Tag. Heute ging es erstmal in die entgegengesetzte Richtung, durch den Teutoburger Wald nach Sennestadt zur Familie. Die warme Sonne tauchte dabei die Ponyhöfe in ein goldenes Licht.

Strommasten werden vom Licht der untergehenen Sonne bestrahlt und ziehen durch eine hügelige Waldlandschaft

In Sennestadt erwartete mich ein großartiges Empfangskomitee: Es wurde gegrillt, gebacken und viel gequatscht. Nach der großen Tafelrunde wurde der Abend mit einem Test des neu angeschafften Massagesessels beendet. Fazit: Großartig.

An der Ems nach Münster

Nach einem ausgiebigen Frühstück in etwas kleinerer Runde entschloss sich mein Onkel, mich die ersten 18 km bis Steinhagen zu begleiten. Dort wartete auf uns das nordwestlichste Wachstumsgebiet von Leberblümchen. Nach kurzer Wanderung fanden wir dann auch zwei oder drei Blümchen.

Eine kleine lilane Blume wächst auf totem Laub

Dann wurde es schließlich doch Zeit, lebewohl zu sagen und den Anschluss zum Europaradweg zu suchen. Der auch als R1 bekannte Radweg hatte mich auf der Tour zwei Jahre zuvor von Wittenberg bis Oerlinghausen gebracht, und nun sollte er mich weiter bis nach Münster weisen.

Auf dem Weg dorthin beobachteten mich zahlreiche Vögel, unter anderem Fasane, Buchfinken, Meisen und Spechte. In Harsewinkel streifte ich die Fabrik von Claas, einem der größten Hersteller für landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge.

Ein Fasan mit rotem Kopf, gelbem Schnabel, blauem Hals und braunem-weißem Gefieder läuft über eine kurze Wiese

Außerdem hinterließen die Innenstädte von Warendorf und Telgte Eindruck.

Bunte Altstadthäuser auf einem gepflasterten Marktplatz. Eine Skulptur eines Seiltänzers steht auf einem darübergespannten Seil.

Wie geplant traf ich bei Sonnenuntergang in Münster ein. Dort hatte ich mir über 1NiteTent einen Platz für mein Zelt in einem Garten in der Innenstadt von Münster organisiert. Das funktionierte wunderbar. Die Hosts waren super freundlich und wir haben noch bis spät viele Geschichten über einem fantastischen Abendbrot ausgetauscht.

Am Kanal in den Ruhrpott

Die Strecke am Vortag war letztlich länger als geplant, und die 100 km ohne viel Vortraining spürte ich am nächsten Morgen dann doch noch. Ich stand etwa eine Stunde später auf als geplant, baute das Zelt ab, genoss noch einen leckeren Kaffee und nahm mir doch nochmal Zeit für die Innenstadt von Münster. Ein Großeinsatz der Polizei machte es etwas schwierig, den Weg ins Zentrum zu finden, aber der Abstecher hat sich gelohnt. Nicht nur hat Münster eine herrliche Altstadt, es ist außerdem eine vielfach ausgezeichnete Fahrradstadt und dementsprechend angenehm zu befahren. Es gibt zahlreiche Fahrradstraßen, die einen in jede Ecke führen, unter anderem auch eine Ringstraße um die Stadt herum.

Großes Schloss mit rose blühenden Bäumen links und rechts

Diesen Straßen folgte ich für ein Frühstück zum Aasee und dann weiter südlich durch das Münsterland entlang des Eurovelo 9. Ich folgte dem Dortmund-Ems-Kanal bis Datteln.

Schnurgerade Wasserstraße mit Landbrücke in der Mitte umgeben von Wald. Im Hintergrund eine orange-gelbe Brücke. Im Vordergrund eine Ente.

Dort verließ ich schließlich den beschilderten Radweg und stürzte mich in den hektischen Verkehr des Ruhrpotts. Ein wenig Erholung lieferte kurze Zeit später die Emscher, bevor es weiter auf den Hauptstraßen bis nach Bochum ging. Die Stadt erreichte ich wieder bei Sonnenuntergang und besuchte dort Cousin und Cousine.

Quer durchs Ruhrgebiet in die Niederlande

Kurz nachdem ich am nächsten Morgen die Wohnung verließ, begann der Tag seine schlechte Wetterprognose zu bestätigen: Es begann zu regnen. Später sollte kalter Gegenwind und sogar Hagel dazukommen.

Dunkelgraue Gewitterwolken über einem Fabrikschornstein. Im Vordergrund Bäume und ein Fluss, die Ruhr.

Das war zwar unangenehm, weckte aber gleichzeitig die Vogelwelt auf, und so traf ich auf zahlreiches Gefieder in den kleinen Parkanlagen von Bochum und Umgebung. Die Schauer dauerten dankenswerterweise auch nicht lange an, sodass ich Zuflucht unter Brücken und in Bäckereien finden konnte.

Ein schwarzer Vogel mit orangenem Schnabel sitzt auf einem Ast in einem Wald.

Die Strecke bestand heute vorrangig aus umgebauten Bahnstrecken und den Radwegen entlang der Ruhr und dem Rhein.

Zum späten Nachmittag wurden mit abnehmender Distanz zur Grenze die Städtenamen zunehmend exotischer: Unter “Mühlhausen” konnte man sich noch was vorstellen, hinter dem Rhein musste man bei Städten wie “Aldekerk” schon etwas nachdenken, um auf “Altkirchen” zu übersetzen. In “Straelen” wusste ich dann nicht mal mehr die korrekte Aussprache (“Strahlen”, wie ich später gelernt habe).

Als ich in Straelen ankam, war die Sonne bereits seit einiger Zeit untergegangen. Ihr letztes rotes, aber blasses Licht umrandete nun eine tiefdunkle Gewitterwolke, was meine Motivation, schneller zu fahren, nochmal verstärkte. Mein Host, der mir netterweise über 1NiteTent wieder einen Zeltplatz angeboten hatte, sah diese Wolke ebenfalls und bot an mich mit seinem Pickup abzuholen. Es waren nur noch fünf Kilometer, und auf den Aufbau des Zeltes bei Regen hatte ich keine Lust. So nahm ich das Angebot dankend an. Beim nächsten Parkplatz setzte dann auch der Regen ein.

Bis jetzt deutet alles auf eine eher anstrengende Nacht hin. Glücklicherweise erwies sich das als Trugschluss. Zum einen sollte ich die Nacht nicht im Zelt, sondern in einem umgebauten Bauwagen schlafen. Ich hatte ein Bett, eine Heizung, einen kleinen Herd und am allerwichtigsten: einen trockenen Platz. Um den Wagen herum liefen ein paar neugierige, aber schüchterne Schafe. In der Nacht fielen die Temperaturen auf unter 0 °C, was dank meines Daunenschlafsacks und der Heizung aber kein Problem war.

An der Maas

Am nächsten Morgen wärmte ich mich mit einem heißen Kaffee und etwas Müsli wieder auf. Entlang der Maas ging es nun zunächst in die Niederlande nach Venlo.

Eine kleine Straße führt durch eine Innenstadt mit braunen und gelben Gebäuden. Über der Straße hängt ein blaues Banner.

Dort gab es Kibbeling zum Mittag und ein schönes Stück niederländischen Käse. Der Maas folgte ich dann den ganzen Tag weiter nach Süden bis Maaseik. Der Radweg war super ausgebaut, und die niederländischen Städte waren mit dem Rad sehr angenehm zu befahren. Es gab viele Radstraßen und Radampeln mit Countdown bis zur nächsten Grünphase. Ab und zu erwischte mich ein Hagelschauer, ansonsten schien die Sonne.

Eine große dunkle Regenfront zieht über einen Fluss. Davor blauer Himmel. Im Vordergrund führt ein Schotterweg neben dem Fluss auf einem grün bewachsenen Deich nach hinten zu einer Windmühle.

In dieser Region wurde sogar für Radfahrer ein Netzwerk aus nummerierten Knotenpunkten aufgebaut. Dies hatte den Vorteil, dass man sich seine Route selbst zusammenbauen konnte. Gleichzeitig konnte man aber nicht mehr den Schildern nach Maastricht folgen, sondern musste sich auf der Karte eine Folge von Knotenpunkten raussuchen und notieren oder merken. Ich verbrachte sicherlich einige Stunden mit der meditativen Wiederholung von “13 – 42 – 118” (oder so).

Schild an einer Straße. Zu sehen sind Wegweiser für 6 verschiedene Knotenpunkte und ein Schild für die Maasroute.

In Maaseik wechselte ich dann unbewusst bereits in das dritte Land auf dieser Tour: Belgien. Belgische Städte haben ähnlich schöne Altstädte wie in den Niederlanden, allerdings gibt es mehr moderne Bauten und beim Bau der Straßen wurden Radfahrer ein wenig vernachlässigt.

Dämmerung in einer nassen Straße in der Innenstadt von Maaseik. Girlanden zieren die gepflasterte Passage.

Mit der untergehenden Sonne erreichte ich dann wieder meinen Schlafplatz, diesmal in Schalbruch. Das Dorf liegt in Deutschland am Dreiländereck. Es gibt genau eine Straße, die in das Dorf hineinführt, und dahinter liegt Wald. Im Dorf gibt es zwei parallele Straßen, und zwischen diesen Straßen war mein Ziel. Dort hatte jemand ein kleines Paradies aufgebaut. Es gab eine Partyscheune mit Holzofen und Bar, eine Sauna und eine Außendusche. Alles selbstgebaut aus recycelten Materialien. Das Lieblingswerkzeug: Der Tacker. Zusammen haben wir vor dem Kamin auf der Terrasse bei einem leckeren Getränk viel gequatscht, bis es schließlich Zeit wurde, in der beheizten Hütte den Schlafsack auszupacken.

Belgien

An Tag fünf sollte es so richtig nach Belgien reingehen.

Zahlreiche Stühle vor Restaurants auf einem gepflastertem Marktplatz. Im Hintergrund steht an einem der Häuser "Cafe de Hollande"

Zunächst musste ich aber erst mal Deutschland verlassen und an der Maas das kurze Stück bis Maastricht fahren. Die Stadt erreichte ich erst zum späten Nachmittag. Ich kannte die Stadt bereits von einem früheren Besuch, und so fuhr ich einfach durch weiter zu meinem Bivakplatz vor Borgloon. Um nicht zu spät anzukommen, folgte ich nicht der verwinkelten Heuvelroute, sondern nahm die weniger schöne, aber direktere Hauptstraße. Dank Fahrradwegmarkierung auf der Straße war dies auch recht sicher. Die Zeit zur Besichtigung von Tongeren nahm ich mir trotzdem.

Gepflasterter Marktplatz mit  alten und neuen Häusern. Im Vordergrund Stühle und Tische eines Restaurants sowie das vollgepackte Rad.

Der Bivakplatz lag zwischen Apfelstauden in einem Boomgarden. Für die Zelte gab es Holzplattformen, die ich aber aufgrund des starken Windes nicht nutzen konnte. Stattdessen kam das Zelt in eine der Schutzhütten, wodurch es die Nacht auch trotz des Regens einigermaßen trocken blieb. Den Bivakplatz hatte ich über eine Online Karte gefunden.

Grünes Zelt und ein Fahrrad bei Dämmerung in einer Schutzhütte

Mit etwas mehr Zeit hätte ich nicht die Heuvelroute genommen, sondern wäre etwas weiter südlich dem EV19 an der Meuse gefolgt und wäre so unter anderem durch Lüttich und Namur gekommen. Auf dieser Route gab es allerdings auch weniger Bivakplätze. 1NiteTent ist auch eher in Deutschland verbreitet, mit anderen Plattformen wie Welcome to my Garden findet sich da aber bestimmt auch was.

Leuven

Tag zwei in Belgien brachte mich entlang der Heuvelroute (“Hügelroute”) über verschiedene Felder und durch schöne Städte wie Sint Truiden und Trienen.

Grüne Pflanzen werden auf einem Stand auf dem Marktplatz verkauft. Im Hintergrund steht ein rotes Altstadthaus mit hohem Turm

Alte Kirche aus Stein mit einem Turm links und einem großen Fenster rechts. Davor ein mit Efeu bewachsenes Haus und Autos auf Parkplätzen.

Abends erreichte ich dann eine der schönsten Städte Europas: Leuven. Wie jeden Tag erreichte ich die Stadt im Licht der untergehenden Sonne.

Rotes Sonnenlicht bestrahlt die Altstadtfassade in einer Fußgängerzone. An den alten Häusern hängt viel Leuchtreklame für McDonalds, KFC und weiteren Läden.

Auf dem Weg zur Unterkunft kam ich der beeindruckenden Brauerei von Stella Artois vorbei.

Im Hintergrund ein großes, rundes, modernes Gebäude mit dem Logo von Stella Artois. Im Vordergrund einige Boote.

Die Altstadt ist wunderschön, insbesondere das Rathaus und die Tafelrunde. Die Nacht verbrachte ich wieder mit Zelt im Garten.

Noch beeindruckt von Leuven beschloss ich, die kurze Strecke bis Brüssel auf den Nachmittag zu schieben und stattdessen die Stadt nochmal so richtig zu besichtigen. Ich ergoogelte mir kurz die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und radelte nochmal zum Rathaus,

Links ein weißes Gebäude mit 5 Stockwerken und zahlreichen Zier-Türmchen, sowie einem begehbarem Turm. Rechts ein 4-stöckiges Gebäude mit einer Fassade aus zahlreiche Statuen und 6 Türmchen auf dem Dach.

zur Bibliothek

Ein weiterer Turm aus Ziegeln mit vielen Verzierungen.

zur Abtei

Etwas schlichteres Gebäude aus Ziegelsteinen mit schiefem Bögen am Eingang und einem Giebel in der Mitte.

und durch das Beginenviertel.

Schlichte Ziegelgebäude in einer geplasterten Fußgängerpassage. Im Hintergrund wirft ein Baum ohne Blätter Schatten auf die Fassaden.

Brüssel

Um nach Brüssel zu kommen, nahm ich nicht die Schnellroute im Norden, sondern beschloss die grünere Strecke durch Wald und Parkanlagen im Süden zu nehmen.

Ein Teppich aus zahlreiche kleinen, weiß blühenden Buschwindröschen bedeckt den Boden einer Parkanlage.

Am Abend kam ich dann in Brüssel an, besuchte einen guten Freund und besichtigte das EU-Viertel.

Gigantisch große moderne Glasbauten links und rechts von einer asphaltierten Autostraße

Für die Nacht hatte ich wieder einen Platz über Welcome to my Garden gefunden, diesmal bei einem älteren Ehepaar im Enkelzimmer.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem netten Gespräch mit meinem gebrochenen Französisch sowie Händen und Füßen fuhr ich in die Innenstadt und weiter zum Atomium. Dort sah ich dann meinen ersten IMAX-Film im Kinepolis direkt nebenan.

Ein eingerüsteter Turm mit rund, gold verzierter Kuppel erhebt sich aus einer Stadt voller Autos und Verkehr.

Wagen eines Riesenrades erheben sich über die Stadt. Im Hintergrund stehen große moderne Wohngebäude.

Das Atomium in Brüssel, eine große Skulptur aus spiegelndem Metall, welches den Aufbau eines Atoms nachstellt. Kugeln sind in einer hexagonalen Struktur miteinander verbunden, kugelförmig um eine Kugel in der Mitte, dem Atomkern.

Zum Abendbrot hatten meine Hosts ein fantastisches Essen mit Steak, Pommes und Rotwein vorbereitet. Zur Nachspeise gab es eine Schokoladencreme und russischen Zigaretten (belgische Waffeln).

Am Abend fuhr ich nochmal in die Innenstadt und bestaunte die schön beleuchteten Fassaden vom Rathaus und der umliegenden Zunfthäuser.

Gelb beleuchtete Fassade von Altstadtgebäuden mit zahlreichen Verzierungen in der Nacht. An den Giebeln befinden sich teilweise goldene Skulpturen.

Blick auf den Grote Markt. Mittig die Häuser aus dem vorherigen Bild, links das Rathaus mit schickem Turm in der Mitte und zahlreichen Statuen an der Fassade.

Auf Empfehlung meiner Gastgeber lief ich auch nochmal durch die Galerie de la Reine (Königsgalerie).

Golden-rot beleuchtete Galerie mit Glasdach und zahlreichen hübschen Lampen links und rechts.